1952 wurde ich in Gelsenkirchen Buer Scholven in eine Zwergschule mit 2 Kassenräumen eingeschult. 1955 ging es nach Gladbeck in die Lambertischule und 1958 in die Kreuzschule in Gladbeck.

1960 fing ich bei einem kleinen Betrieb in Gladbeck eine Elektriker-Lehre an, die ich 1963 mit 16 Jahren erfolgreich abschloss.

Danach drängte mich mein Stiefvater, in seinem Betrieb zu arbeiten und machte viele Versprechungen. Ich fing dort an und reparierte Elektrowerkzeuge. Von den Versprechungen blieb nur über, dass ich nur noch ca. 55 Stunden pro Woche arbeiten musste. Vorher waren es 48 Std im Lehrbetrieb + An- und Abfahrt, um dann mit dem Fahrrad nach Gelsenkirchen Buer zu fahren und bei meinem Stiefvater bis 21 Uhr weiter zu arbeiten. So hatte ich während der Lehrzeit von montags bis freitags einen Arbeitstag von 7:30 bis 21:30 Uhr. Samstags musste ich nach der Arbeit im Lehrbetrieb bis 14 Uhr, zuhause nur noch Autos waschen.

Anfang 1966 wurde ich von meinem Stiefvater aus dem Haus geworfen. Ich bekam im Gladbecker Siemens-Werk sofort eine Arbeit im Prüffeld der Wählermontage. Da ich aber nur für kurze Zeit eine Übernachtungsmöglichkeit hatte, musste ich dort kündigen.

Im April 1966 fing ich bei der Civilian Labor Group der US-Army in Ettlingen als Elektriker an, um ein halbes Jahr später zum Motor Pool als Fahrer und Funker zu wechseln. 1969 arbeitete ich wegen einer schweren Krankheit meines Stiefvaters, meinen ganzen Jahresurlaub und zusätzlichen 6 Wochen unbezahlten Sonderurlaub, wieder im Betrieb meines Stiefvaters in Gladbeck. Weil seine Krankheit langwierig war, kündigte ich in Ettlingen und fing wieder bei meinem Stiefvater an. Als er wieder gesund wurde, war das Arbeiten dort für mich unerträglich, sodass ich im Anfang Februar 1970 dort fristlos kündigte.

Ich fand sofort eine neue Stelle bei der Starkstrom-Anlagen-Gesellschaft kurz SAG genannt. Die Firma war Dienstleister der Elektroversorger im In- und Ausland. Für mich bedeutete das für 1970, eine 70 Stundenwoche, ohne einen freien Tag. Dazu kamen täglich noch circa 3-3½ Stunden Fahrzeit. Ende 1970, als die aktuelle Baustelle beendet war, gab es dann aber eine 50 Std-/ 5 Tage-Woche. Dazu wurde aber ca. einmal pro Monat nachts oder Samstag/Sonntags gearbeitet. Das lag daran, dass am Ende der Stromversorgung Betriebe hingen, deren Produktion nicht gestört werden durfte.

Mitte der 70er wurde die Arbeit weniger und ich brauchte nur noch 8 Stunden täglich zu arbeiten. Wochenend- und Nachtarbeit kamen nun weniger häufig vor. Dafür entfernten sich die Baustellen immer weiter, sodass der Weg nach Hause nicht immer möglich war.

1989 bekam ein Mitarbeiter einen anderen Aufgabenbereich. Da er an der Dokumentation einer vorhandenen 110/10kV Umspannanlage arbeitete die ich kannte, wurde ich gefragt ob ich diese Arbeit weiterführen könnte. Ich übernahm diesen Job, der mir richtig Spaß machte. Nachdem diese Arbeit erledigt war, blieb ich weiter im Büro, musste aber hauptsächlich Arbeit für faule Kollegen machen. Ich hatte aber Angst, dass mir meine Auslösung gestrichen würde, wenn ich nur noch im Büro arbeite. Da ich gerade mein Haus gekauft hatte, brauchte ich aber unbedingt dieses Geld. Ich nutzte ich meine guten Beziehungen beim RWE-SEL, um dort eine Baustelle zu übernehmen.

Später traf ich in einer großen Umspannanlage in Wesel einen Kollegen, der dort den Umbau von Schutz, Messung und Fernsteuerung plante. Ich fragte ihn, ob er keine Arbeit für mich hätte, und tatsächlich konnte ich einige Monate bei ihm einsteigen. Ich hatte hauptsächlich den Part der Bestandsaufnahme. Leider war der Kollege Workaholic, so dass Arbeitszeiten von 8-22 Uhr keine Seltenheit war. Dafür machte ich schon mal freitags frei, denn bezahlt bekamen wir die vielen Stunden nicht.

Dann kam die Zeit der Liberalisierung des Strommarktes. Alle Projekte und Bauvorhaben wurden gestoppt, es wurden nur noch dringende Überholungen gemacht. Ich ging wieder nach “draußen”. Anfang 1995 sollte ich für 3 Monate zum RWE-Lennep zur Zählerabteilung. Ich ging dorthin, aber keiner hatte Zeit, mir zu zeigen was ich machen sollte. Ich nahm mit Einverständnis des Kunden meinen sechswöchigen Jahresurlaub, aber auch danach hatte keiner Zeit mich einzuarbeiten, “Man hätte so viel mit Dokumentationen der Netzentflechtung zu tun”. Als ich fragte, womit sie dokumentieren und erfuhr ich, Apple Macintosh, mit Programm Draw, bot ich Ihnen meine Hilfe an, was vom Kunden gerne angenommen wurde.

Man zeigte mir ein paar Beispiele, und ich merkte schnell, dass man einiges verbessern konnte und war kurz drauf der Einzige, der diese Arbeit machte, nix nur helfen. Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß. Ich konnte selbst entscheiden, an welchem der vielen Projekte ich arbeitete, musste viel raus zu den Stationen, die dokumentiert werden mussten. Ich hätte gerne länger als 3 Monate dort gearbeitet, der Kunde hätte mich auch gerne dort behalten. Dann wurde ich aber von unserem Abteilungsleiter gefragt, ob ich nicht in CAD mit MicroStation einsteigen wolle.

Nach Beratung mit meiner Frau, denn die Auslösung würde sicher bald wegfallen, entschloss ich mich das Angebot anzunehmen. Ich machte eine interne Schulung mit, bei der ich der Einzige ohne CAD Erfahrung war und vor allem noch nie primäre Anlagen geplant hatte. Ich hatte es durch meine mangelnden Kenntnisse sehr schwer, war aber trotzdem nicht der schlechteste der Gruppe. Nach Ende der Schulung bekam ich den Auftrag Zellbibliotheken von Konstruktionen, Geräten und Fundamenten zu erstellen. Die Zeit verging dabei wie im Flug, sodass ich häufiger meinen Feierabend verpasste.

Ich beherrschte MicroStation immer besser. Als auf einem MicroStation-Anwender-Treffen ein Kollege ein kleines Programm vorstellte, geschrieben in MicroStation-Basic, war für mich klar, dass ich auch programmieren wollte. Anfangs stellte ich mir eine Werkzeugsammlung zusammen, um so wenig wie möglichst klicken zu müssen. Dann folgten kleinere Programme, bei denen ich viel über das MicroStation-System lernte. Obwohl ich einen erheblich langsameren Rechner als mein Kollege hatte, konnte ich durch meine optimierte Werkzeugsammlung und die selbstgeschriebenen Tools, viel schneller und vor allem fehlerfreier arbeiten.

Natürlich gab ich meine Programme, die immer nur durch Buttons zu starten waren, an Kollegen weiter. Ein Kunde wollte auch so tolle Tools haben und in Absprache mit meinem Chef programmierte ich ihm eine Werkzeugpalette für sein Gewerk. Dabei stellte sich heraus, dass das was bei mir gut lief, beim Kunden überhaupt nicht funktionierte. Nach gründlicher Suche stellte sich heraus, dass die unterschiedliche Systemumgebung der Grund für das Nichtfunktionieren war.

Da die Systemumgebung ziemlich komplex war und der Kunde ebenso wie meine Kollegen aus dem Anwenderkreis, nicht genügend Wissen darüber hatten, aber auch bei mir sich das Wissen nach einiger Zeit wieder verflüchtigte, musste ich mir etwas einfallen lassen. Ich schrieb ich ein Installationsprogramm, bei dem die Systemumgebung erkannt und die Anpassung automatisch erstellt wurde. Auch eine Hilfe war in dem Programm enthalten, ebenso das Erkennen des Programmstatus, damit bei Ergänzungsinstallationen keine Benutzereinstellungen überschrieben wurden. Das meiste programmierte und testete ich Zuhause, so gingen viele Abende und Wochenenden, mit Arbeit für die Firma zu Ende.

Als Anfang 2000 meine Frau an Lungenkrebs erkrankte und Anfang 2002 starb, reduzierte ich die Arbeit Zuhause und sah, wie groß der Anteil meiner Frau für die Arbeit in der Firma war. Danach arbeitete ich an Richtlinien, um nach dem Zusammenschluss von RWE und VEW zur neuen RWE die unterschiedlichen Bauweisen zu einer Neuen zusammenzuführen.

Schon 2001, als es in unserer Firma eine 55er Regelung gab, um aus der Firma auszuscheiden, wäre ich wegen der Krankheit meiner Frau auch gerne ausgeschieden. Leider durfte ich nicht, denn die Aktion war nur ins Leben gerufen worden, um unliebsame Mitarbeiter loszuwerden. Ende 2003 unterschrieb ich dann einen Vorruhestandsvertrag. Ab Juni 2004 arbeitete ich dann ein Jahr für halbes Geld, dass auf 85% aufgestockt wurde. Weil ich noch viele Urlaubstage, und Zeitausgleichsstunden hatte, konnte ich schon Anfang März 2005 die Firma verlassen. Seit Juni 2006 bin ich nun Rentner und habe seit dieser Zeit noch keine Langeweile gehabt.