Als ich 1970 merkte, dass ein älterer Arbeitskollege einen Stromlaufplan nicht lesen konnte, nur weil sich eine einfache Diode in ihm befand, fing ich an mir Literatur über Elektronik zu besorgen. Damals gab es Elektronik-Bücher aus dem Franzis-Verlag, sowie die Topp Buchreihe Elektronik, in jedem größeren Kaufhaus. Die Zeitschrift “Funkschau” wurde abonniert und mit Lochrasterplatten die ersten Schaltungen ausprobiert. Bauteile kaufte ich in Essen bei "Radio Fern", bzw. in anderen Orten der Umgebung.

Als in diesem Jahr, im TV die Sendung „Einführung in die Digitaltechnik“ lief, sah ich natürlich jede Folge. Die Digitaltechnik war genau das Richtige für mich, denn damit brauchte ich nur noch Logik, denn mit der Berechnung der Komponenten in analogen Schaltungen hatte ich meine Schwierigkeiten. Als in diesem Jahr die Zeitschrift Elektor erschien, wurde sie abonniert und ich erhielt jeden Monat weiteres Know-how.

Zu Weihnachten 1971 machte mir meine Frau ein ganz besonderes Geschenk, ein Oszilloskop-Bausatz der Firma Hameg, ein HM207. Natürlich wurde schon am nächsten Tag mit dem Bau begonnen und es dauerte nicht lange, bist ein funktionierendes Oszilloskop vor mir stand.

Als ich später bei Karstadt, die ersten elektronischen Uhren, mit Digitalanzeige sah, von denen die 4stellige 1200, die 5stellige 1400 und die 6stellige 1600 DM kosteten, wollte ich auch so eine haben. Da die Preise zu hoch für mich waren, wollte ich versuchen, selbst eine zu bauen. Ich studierte Schaltungen mit Zählern und Teilern und fing an zu zeichnen.

Mit Lochrasterplatten und IC-Fassungen verdrahtete ich Testschaltungen, merkte aber bald, dass Lochrasterplatten nicht das optimale für solch eine aufwendige Schaltung war. Ich beschloss ein Experimentiergerät für integrierte Schaltungen, zu entwickeln. Mit Hilfe von Transistor-, IC-Sockeln und preiswerten Lötnägeln entstand eine 18x30,5 cm große Platine als Deckel eines Pultgehäuses. Zusätzlich wurden PNP und NPN Transistoren, Universaldioden, Taster, Schalter, Kondensatoren und Widerstände, LEDs sowie zwei Minitron-7-Segmentanzeigen mit Treiber. Ein Eingebautes ausreichend Dimensioniertes 5 V/12V-Netzteil übernahm die Stromversorgung.

Mit diesem Testboard war das Entwickeln und Austesten von Schaltungen ein Kinderspiel. Die Schaltung für die Uhr konnte auf mit dem Testboard relativ leicht entwickelt und ausgetestet werden. Nachdem klar war, welche der TTL-ICs benötigt wurden, wurden diese bei vielen verschiedenen Händlern in ganz Deutschland bestellt. Ich hätte natürlich am liebsten alles bei einem Händler gekauft, aber dafür waren die Preise viel zu unterschiedlich.

Für die vorgesehenen Nixie-Anzeigeröhren benötigte ich 170 V. Ich fand aber keinen passenden Transformator mit den benötigten Spannungen, also kaufte ich mir einen Trafobausatz mit der zu erwarteten Leistung. Mithilfe eines Tonbandgerätes, und dessen Zählwerks, wurden die 220 V und 170 V Wicklungen erstellt, die 5V-Wicklung wurde von Hand aufgetragen.

Nun ging ich daran, die Platine der Uhr zu erstellen. So eine aufwendige Platine war die größte Herausforderung bei diesem Projekt. Auf einer Lochrasterplatte platzierte ich die Bauelemente, um später die Punkte für die Löcher durch die Rasterplatte auf Schreibmaschinenpapier zu übertragen. Es gab einige Fehlschläge, aber nach 3 oder 4 Versuchen war das Layout geschafft. Das Layout befand sich mit Tusche auf Schreibmaschinenpapier. Da ich niemanden fand, der mir aus meiner Zeichnung eine Overhead-Folie erstellen konnte, machte ich ein paar normale Fotokopien. Mit diesen Kopien, einer Höhensonne und selbst lackiertem Platinenmaterial führte keiner meiner Versuche zum Erfolg. Erst als ich zum Belichten normales Sonnenlicht benutzte, gelang mir eine ordentliche Platine.

Da die Bauteile wegen unterschiedlicher Preise bei verschiedenen Händlern bestellt wurden, wurde schon mal mit einem Teil der Bauteile getestet. Als fast alle ICs eingesteckt waren, kam es leider zu einem Crash, sodass alle 74er ICs zerstört wurden und neu besorgt werden mussten. Einen Monat später war die Uhr dann in einem ordentlichen Gehäuse betriebsbereit. Für das Netzteil benötigte ich allerdings noch ein externes Gehäuse. Kosten der Uhr: ca. 800 DM. Später baute ich noch mehrere elektronische Uhren zum Verschenken. Sogar Funkuhren waren dabei, aber alle als Bausatz.

Nach diesem Erfolg folgten einige Projekte, teils Nachbauten, meistens aber für eigene Ideen zusammengestellte Schaltungen. Die notwendigen Platinen zeichnete ich meistens mit einer wasserfesten Tinte von Pelikan und einem Federhalter direkt auf die Kupferseite der Platine. Folgende Projekte waren sehr erfolgreich: Ping-Pong-Telespiel, elektronischer Würfel, elektronische Drumbox, elektronische Türklingel, die bei richtiger Betätigung auch die Tür öffnen konnte.

Eine Fernsteuer-Sende- und Empfangsanlage scheiterte, weil die Mechanik der Steuerknüppel für mich zu aufwendig war. Dafür wurden aber später der Sender, mehrere Empfänger und 20-30 Servos als Bausatz zusammengefügt. Weiter baute ich Transistortester, Zener-Dioden Tester, Signalgenerator, ein Zweikanalvorsatz für mein Oszilloskop.

Es folgten Geräte fürs Auto, Wischwasch-Interwallschalter, digitaler Drehzahlmesser, Beleuchtungsüberwachung, ein Gerät, das die Bremsleuchten je nach Stärke des Bremsvorgangs unterschiedlich blinken lies. Einiges gefiel Bekannten so gut, dass ich denen so etwas auch bauen musste. Ein großes Projekt hatte ich über einen längeren Zeitraum im Hinterkopf. Ich wollte eine Orgel von Dr. Böhm oder Wersi bauen. Der Zeitmangel durch meine Montagetätigkeit ließ mich das Projekt immer wieder verschieben, bis meine Priorität der Modellflug wurde.

Als ich ab 1976 an Modellflugwettbewerben teilnahm, benötigte ich eine Stoppuhr, die bis auf 200 bzw. 300 Sekunden hochzählen konnte. Ich nutzte einen preiswerten LED-Taschenrechner, um damit einige für unseren Sport angepasste Stoppuhren zu bauen. Ich entwickelte ein vollautomatisches NC-Ladegerät, an dem 2 Sender und 2 Empfänger angeschlossen werden konnten (gibt es heute noch nicht zu kaufen).

Das Gerät wurde später erweitert, dass es auch an 12 V betrieben werden konnte. Als Zusatzgerät kam später noch ein selbst entwickeltes digitales Kapazitätsmessgerät hinzu, das in die Ladekabel eingeschleift werden konnte. Nach erfolgter Messung wurde automatisch der Akku wieder vollgeladen. Es folgten einige nützliche Kleingeräte für den Modellflug: z. B. einen Servotester oder einen akustischen Zeitgeber, den ich zum frühzeitigen Einleiten von 180°-Wenden beim Geschwindigkeitsflug auf Wettbewerben einsetzte.

1995 entwickelte ich eine komfortable Rollladen-Zentralsteuerung, weil es am Markt keine mich befriedigende Steuerung gab. Ich benutzte einen kleinen Olivetti-Quaderno Computer aus dem Jahre 1992, zu dem ich für die Messungen ein serielles und zum Schalten ein paralleles Interface, für 5 Motorenstränge baute. Da ich für die serielle und parallele Buchse des Rechners keine Stecker bekam, baute ich mir diese aus 0,7 mm doppelseitig Kaschiertem Platinen Material.

Das Programm mit vielen Einstellmöglichkeiten und Variationen schrieb ich selbst, wobei als kleiner Clou eine Mini-Textverarbeitung eingebaut wurde, dass jeder kleinste Fehler sofort als Erinnerung eingegeben werden konnte, denn im DOS-gab es kein Multitasking. Später baute ich noch einen DCF77-Empfänger dazu, um nachts mit eigenem Programm die korrekte Zeit mit dem Computer zu synchronisieren. Da ich nun mal bei der Haustechnik war, baute ich noch Zusätze für meine Nachtspeicherheizung und einen Thermo-Durchlauferhitzer.

Heute baue ich höchstens mal einen Bausatz zusammen, wobei mir wegen des schlechteren Sehens, das Löten sehr schwer fällt.