1982 war ich durch meine Montagetätigkeit häufig nur am Wochenende zuhause, sodass die Zeit zum Bauen und Fliegen immer knapp war. Obwohl meine Frau auch selbst als offizielle Wertungsrichterin und Helferin bei Wettbewerben mitmachte, fühlte sie sich doch irgendwann vernachlässigt. Es gab häufiger Streit, weil ich meine komplette Freizeit dem Modellflug widmete. Einfach aufhören wollte ich natürlich nicht, zumal ich ja wusste, dass meiner Frau das Mitmachen auch Spaß machte. Eines Nachts eskalierte unser Streit, wobei ich wutentbrannt ein Tragflächenpaar über die Bettkante legte, darauf trat und es damit zerstörte.

Ich glaubte, dass es sich um ein Tragflügelpaar handelte, das nicht so wichtig war. Leider waren es die aktuellen Tragflügel meines F3B-Fliegers. Als ich das bemerkte, war mir klar, dass C-Kader (2. Bundesliga) und die internationale Karriere beendet waren. Einen neuen konkurrenzfähigen Flieger hätte ich in der aktuellen Flugsaison, nicht mehr fertigbekommen. Ich war zwar ziemlich traurig, weil ich es mir nicht vorstellen konnte, nicht mehr an Wettbewerben teilnehmen zu können.

Für regionale und landesweite Wettbewerbe der Klasse RC4E hatte ich aber noch Flieger. Ich nahm auch noch ein paar Jahre an Wettbewerben in NRW teil. Als dann aber auch noch mein Sohn nicht mehr weiter machte, verlor auch ich irgendwann die Lust am Fliegen. Das Auswerten der Wettbewerbe mit meinem Computer bei vielen Vereinen war für mich auch nur nachteilig, weil ich mich während dieser Wettbewerbe nicht optimal auf meine Starts vorbereiten konnte. So wurden beste Platzierungen seltener.

Als dann 1987 bei einer Aussprache, über die von mir ausgewertete deutsche Meisterschaft in Leverkusen, mir vorgeworfen wurde, dass meine Auswertungen mit ein Grund für die Fluktuation unseres Sportes sei, verlor ich noch mehr die Lust. Die viele Arbeit, an meinem 1985 gekauften Haus, aber auch meine Montagetätigkeit verhinderte den Bau von konkurrenzfähigen Fliegern, sodass ich bald auch nicht mehr an Wettbewerben der Klasse RC4 teilnahm.

Bei Vereinsmeisterschaften machte ich aber noch mit. Wettbewerbe, die unser Verein ausrichteten, wertete ich zusätzlich noch natürlich aus. Im Verein wurde beschlossen, dass jedes Mitglied eine gewisse Anzahl Arbeitsstunden leisten muss. Ersatzweise müsste man diese zu bezahlen. Ich kündigte ich die Vereinsmitgliedschaft, denn meine Wettbewerbsauswertungen wurde nicht als Arbeit betrachtete, “schließlich machte das ja der Computer“.

Für ein bis drei Mal im Jahr fliegen ein paar Hundert Mark zu bezahlen, war mir einfach zu teuer. Einige Jahre später versuchte meine Frau, mich wieder zum Modellflug zu bewegen. Da ich mein Know-How nicht schriftlich festgehalten hatte, sah ich keine Chancen, auf hohem Niveau wieder einzusteigen. In der Zwischenzeit fiel auch unser alter Modellflugplatz, dem Neubau der Arena “Auf Schalke“ zum Opfer. Dieses war ein weiterer Grund nicht wieder anzufangen. Trotzdem hätte ich vielleicht auf niedrigem Level wieder angefangen, wäre meine Frau nicht im Jahre 2000 an Lungenkrebs erkrankt und 22 Monaten später verstorben. Danach fehlte mir die Lust zu allem, auch zum Modellflug.